Blasenentzündung (Cystitis) mit Homöopathie, Naturheilkunde und Ernährung behandeln
In diesem Artikel geht es um folgende Themen:
Was ist eine Blasenentzündung (Cystitis, Zystitis)?
Welche Symptome treten bei einer Blasenentzündung auf?
Warum sind Frauen häufiger von einer Blasenentzündung betroffen?
Welche Faktoren begünstigen eine Blasenentzündung?
Komplikationen bei Blasenentzündungen
Blasenentzündungen bei Männern
Allgemeine Maßnahmen bei Blasenentzündung
Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) bei Blasenentzündung
Mannose und Cranberry bei Harnwegsinfekten
Probiotika
Präbiotika
Die Rolle der Östrogene
Entzündungshemmende Lebensmittel
Stress und Traumata begünstigen Entzündungen
Homöopathie bei akuten Blasenentzündungen
Wann sollte der Arzt aufgesucht werden?
Homöopathie bei chronischen Blasenentzündungen
Was ist eine Blasenentzündung (Cystitis, Zystitis)?
Bei einer Blasenentzündung, auch genannt Cystitis, Zystitis oder unterer Harnwegsinfekt, handelt es sich um eine Infektion (Entzündung) der Schleimhäute, welche die unteren Harnwege auskleiden. Die unteren Harnwege bestehen aus der Harnblase und Harnröhre (Urethra). (Die oberen Harnwege bestehen aus den Nieren und Harnleitern.) Über die Harnröhre gelangt der Urin von der Harnblase nach außen. Genau genommen spricht man von einer Cystitis, wenn ausschließlich die Harnblase entzündet ist. Wenn zusätzlich die Harnröhre betroffen ist, spricht man von einer Urethrocystitis. Ursache der Entzündung (Infektion) sind meist Bakterien. (1)
Welche Symptome treten bei einer Blasenentzündung auf?
Folgende Symptome können bei Blasenentzündung auftreten (2, 5):
Häufiges Wasserlassen mit geringen Urinmengen (trotz starkem Harndrang kommen nur einige Tropfen) tagsüber und/oder nachts sowie Schmerzen wie Brennen oder Ziehen vor, beim oder nach dem Wasserlassen sind ganz typische Symptome.
Des Weiteren kann es zusätzlich zu folgenden Beschwerden kommen:
Plötzlicher Urinverlust (Inkontinenz)
Schmerzen im Unterbauch
Erschwerte Blasenentleerung (Dysurie)
Krampfartige Schmerzen in der Blasengegend
Blasenkrämpfe
Trüber, unangenehm riechender Urin
Dunkler Urin
Blut im Urin
Allgemeines Krankheitsgefühl
Schmerzen im unteren Rücken
Bei starken Infekten kommt es zu Fieber und Schüttelfrost
Warum sind Frauen häufiger von einer Blasenentzündung betroffen?
Frauen sind aus anatomischen Gründen häufiger von Blasenentzündungen betroffen als Männer. Die Harnröhre des Mannes ist ca. 20 – 25 cm lang. Die der Frau nur ca. 2,5 – 5 cm. Somit können aufsteigende Bakterien relativ schnell in die Blase gelangen, um dort eine Entzündung auszulösen. (2) Die Keime gelangen fast immer von aussen über die Harnröhre in die Blase. (1) Sie kommen vom Darm und es handelt sich in den meisten Fällen um das Bakterium Escherichia coli (kurz: E. coli-Bakterien) oder um Enterokokken. E.coli-Bakterien und Enterokokken kommen im Darm natürlicherweise vor und besitzen dort auch keinen Krankheitswert. (3)
Da die Öffnung der Harnröhre bei der Frau näher am After liegt als beim Mann, leiden auch aus diesem Grund Frauen häufiger an Blasenentzündungen als Männer. (2) Durch Sexualkontakte können Bakterien wie Gonokokken (Erreger des Trippers) und Chlamydien übertragen werden und Infekte der unteren Harnwege verursachen. (3)
Welche Faktoren begünstigen eine Blasenentzündung?
Wenn man häufig an Blasenentzündungen leidet, ist das Immunsystem geschwächt und in der naturheilkundlichen oder homöopathischen Behandlung gilt es, dieses zu stärken, um die Infektanfälligkeit zu reduzieren (in diesem Artikel sind nachfolgend viele Tipps zur Stärkung des Immunsystems enthalten).
Viele Frauen berichten, dass Kälte (z.B. durch Sitzen auf einem Kalten Boden), kalte Füße oder das längere Tragen von nassen Badesachen Auslöser für Blasenentzündungen sind. Nux vomica und Pulsatilla sind sehr wichtige homöopathische Medikamente bei Cystitis infolge von kalten Füßen. Bei Blasenentzündungen nach längerem Sitzen auf kaltem Boden ist Nux vomica oftmals sehr hilfreich
Auch Stress, emotionale Belastungen, schwierige Lebenssituationen können Blasenentzündungen begünstigen.
Wenn nach dem Stuhlgang die falsche „Abwischtechnik“ angewendet wird, also vom After in Richtung Harnröhre (von hinten nach vorne) anstatt vom After nach hinten Richtung Steißbein, werden Darmbakterien zum Harnröhren-Eingang befördert. Von dort können sie schnell über die Harnröhre in die Blase gelangen und eine Entzündung verursachen. (2)
Durch übertriebene Intimhygiene kann die Vaginalflora geschädigt werden. Die Verwendung von zu viel Seife oder Imtimwaschlotion kann die natürliche Schutzfunktion der Scheidenflora beeinträchtigen. (3) Eine gesunde Vaginalschleimhaut stellt eine Schutzbarriere gegen Harnwegsinfekterreger dar. (4) Die Schleimhäute der Vagina und die der Harnröhre und Blase hängen eng zusammen (Synergie).
Durch häufigen Geschlechtsverkehr können Darmbakterien leichter in die Harnröhre aufsteigen, da die Schleimhäute durch die mechanische Reizung empfindlicher werden. Hier spricht man von einer „Honeymoon-Cystitis“. (3)
Während der Schwangerschaft verändert sich die Hormonlage. Bakterien können leichter zur Blase aufsteigen, da das Schwangerschaftshormon Progesteron die Muskulatur der Harnwege erweitert (1).
Während der Wechseljahre nimmt der Östrogenspiegel ab. Dadurch wird die Schleimhaut der Scheide trockener, die Schutzbarriere wird schwächer und das Risiko für Infektionen steigt. (4)
Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Gicht können Blasenentzündungen begünstigen, da sie die chemische Zusammensetzung des Harns verändern und dadurch einen idealen Nährboden für die Ansiedelung und Vermehrung von Harnwegsinfekterregern bereiten. (2)
Komplikationen bei Blasenentzündungen
In seltenen Fällen können bei Zystitiden Bakterien von der Harnblase in die oberen Harnwege aufsteigen und dort einen Infekt, wie z.B. eine Nierenbeckenentzündung, auslösen. (1) Zu den oberen Harnwegen gehören die Nieren (incl. Nierenbecken) und die Harnleiter (Ureter). Die Harnleiter transportieren den Harn von den Nieren in die Harnblase.
Weiterhin kann es zu einer chronischen, bzw. immer wiederkehrenden Blasenentzündung kommen. Langfristig könnte hier Blasengewebe geschädigt werden. (1)
Blasenentzündungen bei Männern
Bei Männern treten Blasenentzündungen eher nach dem 50. Lebensjahr auf, denn dann nehmen die Erkrankungen der Prostata, wie z.B. gutartige Vergrößerungen der Prostata oder Prostatatumore, zu. Durch die damit verbundene Ausdehnung der Prostata kann die Harnröhre eingeengt und der Abfluss des Harns verringert werden. In der Harnblase bleibt Restharn. Die Ansammlung von Erregern und Entstehung von Infektionen können die Folge sein. (1)
Auch bei Männern können Blasenentzündungen durch sexuell übertragbare Erreger wie Gonokokken und Chlamydien verursacht werden.
Allgemeine Maßnahmen bei Blasenentzündung
Achten Sie darauf, dass Ihnen nicht kalt wird und dass Sie keine kalten Füße bekommen! Halten Sie die Blasen – und Nierengegend warm! Tragen Sie warme Socken (am besten Wollsocken) und Schuhe. Unterhemden, Leggins oder Strumpfhosen aus Merinowolle sind während der kalten Jahreszeit sehr zu empfehlen. Von Unterhosen aus Wolle rate ich ab. Besser sind Unterhosen aus Baumwolle, die täglich gewechselt werden sollten.
Legen Sie, wenn Sie das Gefühl haben, dass eine Blasenentzündung im Anmarsch ist, eine warme Wärmflasche auf die Blasengegend. Die Wärme fördert die Durchblutung der Blase und somit die Infektabwehr.
Entspannen Sie sich, schlafen Sie viel und vermeiden Sie Stress. Machen Sie täglich einen 30-minütigen Spaziergang an der frischen Luft, um Ihr Immunsystem zu stärken.
Bei akuten Blasenentzündungen mit starker Erschöpfung und Fieber sollten Sie sich jedoch ausruhen und Anstrengung vermeiden!
Trinken Sie viel Wasser, denn durch das häufige Wasserlassen werden Bakterien aus der Harnröhre ausgeschwemmt. (3)
Wischen Sie sich nach dem Stuhlgang von vorne nach hinten ab, also vom After nach hinten Richtung Steißbein, bzw. Rücken (2), damit Sie die Beförderung von Bakterien wie insb. E. coli-Bakterien oder Enterokokken vom Darm in Richtung Harnröhre vermeiden!
Leeren Sie Ihre Blase immer vollständig, denn Restharn bietet einen Nährboden für Bakterien. (5)
Entleeren Sie nach dem Sex sofort Ihre Blase! Beim Wasserlassen werden Bakterien aus der Harnröhre geschwemmt, noch bevor sie in die Blase gelangen. (5)
Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) bei Blasenentzündung
Die Ernährungsdocs (NDR) empfehlen bei Cystitis folgende harntreibende und entzündungshemmende Teemischung (in der Apotheke zu gleichen Teilen anmischen lassen): Birkenblätter, Petersilienwurzel, Katzenkralle, Goldrutenkraut und Rosmarin (6). Ich empfehle die zusätzliche Beimengung von Ackerschachtelhalmkraut (Herba equiseti), da es viel Kieselsäure enthält und somit neben seiner antiphlogistischen Wirkung zusätzlich das Bindegewebe der Harnblase stärkt.
Der Tee wird bei akuten Blaseninfekten folgendermaßen zubereitet:
Dreimal täglich einen gehäuften Teelöffel in eine Tasse geben, mit kochendem Wasser übergießen und ca. 15 Minuten abgedeckt ziehen lassen. Dann trinken.
Der Tee sollte nicht länger als 10 Tage getrunken werden!
Mannose und Cranberry bei Harnwegsinfekten
Mannose (D-Mannose) ist ein Zucker, der Bakterien bindet und ausscheidet. Im Gegensatz zu anderen Zuckern wird er kaum zur Energiegewinnung verstoffwechselt. Bei einer Blasenentzündung kann sich Mannose in den Harnwegen an die Bakterien anhaften und diese binden. Somit wird vermieden, dass Bakterien die Blasenschleimhaut angreifen oder schädigen, denn die an Mannose gebundenen Bakterien werden mit dem Urin ausgeschieden. (7)
D-Mannose wirkt nur bei Harnwegsinfekten, die durch E. coli-Bakterien verursacht wurden, was bei ca. 80 % der Infektionen der Fall ist. (8) Mittels einer Urinkultur beim Arzt oder eines Selbsttests mit einem Urinteststreifen aus der Apotheke können die Bakterien identifiziert werden.
Cranberry (die Großfrüchtige Moosbeere) wirkt bei Harnwegsinfekten aufgrund der darin enthaltenen Pflanzenstoffe namens Proanthocyanidine (PAC). Diese Stoffe docken an die Blasenschleimhaut an, bzw. setzen sich dort fest. Somit können die Bakterien nicht mehr an der Blasenschleimhaut anhaften und eine Entzündung verursachen, denn diese ist durch PAC besetzt. Die Bakterien können mit dem Urin ausgeschieden werden. (7)
Es gibt Kombinationspräparate aus D-Mannose und Cranberry, die bei Harnwegsinfekten unterstützend gemäß Packungsbeilage eingesetzt werden können. Die prophylaktische Wirkung ist umstritten.
Probiotika
Probiotika sind Produkte, die spezielle Bakterienkulturen enthalten. Sie sind auf natürliche Weise in Lebensmitteln wie Joghurt, Quark, Kefir, Bruttrunk, Kombucha, Pickles, Käse, oder fermentiertem Gemüse wie Sauerkraut oder Kimchi enthalten. Typische Mikroorganismen in probiotischen Lebensmitteln sind zum Beispiel Milchsäurebakterien, Bifidobakterien oder bestimmte Hefen. (9) Zur innerlichen (oralen) Einnahme gibt es Probiotika rezeptfrei als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln, Tropfen und Pulvern. Den Probiotika wird eine positive Wirkung auf die Darmflora (Darmmikrobiom) zugeschrieben, denn es handelt sich um Mikroorganismen, welche die Barrierefunktion des Darms stärken und Krankheitserreger in Schach halten. (10) Das Wort „probiotisch“ bedeutet „für das Leben“. (9) Durch ihre positive Wirkung auf den Darm stärken sie das Immunsystem und können somit die Anfälligkeit für Blasenentzündungen reduzieren, denn im Darm befinden sich rund 80% der aktiven Immunzellen. (12)
Bei rezidivierenden Blasenentzündungen hat es ich bewährt, die Vaginalflora oder das Vaginalmikrobiom mit Probiotika, in diesem Fall mit Milchsäurebakterien, aufzubauen, um den veränderten pH-Wert der Scheide wieder in den normal sauren Bereich zu bringen. (4) Denn das saure Scheidenmilieu stellt eine Barriere dar, die auch den Eingang der Harnröhre schützt. (3)
Milchsäurebakterien zur Regulation der Vaginalflora gibt es als Zäpfchen und Salben. Zäpfchen werden direkt in die Scheide eingeführt, Salben direkt aufgetragen. Mit einer lokalen Milchsäurekur kann der Besiedelung mit krankmachenden Keimen entgegengewirkt werden, da Milchsäure das Scheidenmilieu stabilisiert. (4)
Präbiotika
Präbiotika sind unverdauliche Nahrungsbestandteile (Ballaststoffe), die vom Körper nicht verdaut werden und somit eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den Darm haben. Zu ihnen gehören Pflanzeninhaltsstoffe wie Inulin und Oligofruktose. (10) Präbiotika unterstützen die Darmgesundheit und somit das Immunsystem, indem sie das Wachstum und die Aktivität von nützlichen Darmbakterien fördern, indem sie gesundheitsfördernden Darmbakterien als Nahrung dienen. (10, 11)
Bei den Präbiotika handelt es sich also nicht wie bei den Probiotika um Mikroorganismen. (10)
Präbiotika sind in den folgenden Lebensmitteln enthalten: (10, 11)
In verschiedenen Gemüsesorten wie Spinat und Mangold, Schwarzwurzeln, Artischocken, in Hülsenfrüchten, zum Beispiel Linsen und Bohnen, und in Beerenobst wie Himbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren. Außerdem in Spargel, Zuckerrüben, Knoblauch, Chicorée, Zwiebeln, Tobinambur, Bananen, Tomaten, Sojabohnen, Erbsen, Algen, (Süß-) Kartoffeln, Reis und Nudeln (abgekühlt, weil die Stärke so ihre chemische Struktur verändert und in dieser Form (resistente Stärke) für den Darm fast unverdaulich ist, was sich wiederum positiv auf die Darmflora auswirkt.)
Durch ihre gesundheitsfördernde Wirkung auf den Darm stabilisieren auch Präbiotika das Immunsystem und minimieren somit die Anfälligkeit für Blasenentzündungen.
Die Rolle der Östrogene
Östrogene sind notwendig, um die Besiedelung der Milchsäurebakterien in der Scheide aufrechtzuerhalten. Wie bereits im Kapitel über Probiotika erwähnt, sorgen Milchsäurebakterien für ein saures Milieu in der Scheide, welches eine Schutzbarriere gegen eindringende Bakterien darstellt. Wenn der Östrogenspiegel abfällt, was z.B. in den Wechseljahren der Fall ist, nimmt die Anzahl der Milchsäurebakterien ab, der pH-Wert verändert sich was zur Folge hat, dass die Schutzfunktion der Scheide abnimmt. Dadurch kann die Harnröhre nicht mehr von dem schützenden Effekt aus der Scheide profitieren. Die Folge ist, dass Bakterien von außen leichter in die Harnröhre eindringen können. (3)
Östrogene stärken außerdem die Blasenschleimhaut und wirken einer Erschlaffung des Beckenbodens entgegen. (14) Ein erschlaffter Beckenboden kann Harninkontinenz zur Folge haben, was bedeutet, dass Urin beim Husten, Lachen, Sport, etc., unwillkürlich abgeht.
Östrogene können also klimakterischen Frauen mit Neigung zu Blasenentzündungen und/oder Harninkontinenz helfen. (14)
Natürlich rate ich an dieser Stelle niemandem zur Hormonersatztherapie, das heißt zur Einnahme von künstlichen oder synthetischen Hormonen!
Allerdings gibt es bei rezidivierenden Blasenentzündungen und/oder Harninkontinenz im Klimakterium gute Erfahrungen mit der lokalen Anwendung einer Estriolsalbe aus naturidentischen oder bioidentischen Hormonen. (Estriol gehört zur Hormongruppe der Östrogene und ist für die Gesunderhaltung aller Schleimhäute im Körper notwendig). Naturidentische Hormone werden aus einem Stoff namens Diosgenin gewonnen, welcher überwiegend aus der Wilden Yamswurzel gewonnen wird. Bei bioidentischen Hormonen entspricht die Struktur des nachgemachten Hormons genau der des biologischen Originals. Bioidentische Estriolsalbe muss nicht in die Scheide eingeführt werden. Sie kann äußerlich auf die Scheidenregion aufgetragen werden. Bioidentische Estriolsalbe D4 ist rezeptfrei in darauf spezialisierten Apotheken erhältlich. (15)
Entzündungshemmende Lebensmittel
Mit entzündungshemmenden Lebensmitteln können Sie Ihr Immunsystem zusätzlich unterstützen und somit Blasenentzündungen und Entzündungen überhaupt entgegenwirken.
Folgende Gewürze und Lebensmittel besitzen eine entzündungshemmende Wirkung: (6, 13)
Gelbwurz (Kurkuma), Currypulver (enthält Kurkuma), Kreuzkümmel (Cumin), Ingwer, Zimt, Hagebuttenpulver, Chilli, Zwiebeln, Knoblauch; verschiedene Kohlarten wie Weißkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl; Rote Paprika, Portulak, Sanddorn, Tofu, Ananas, Kirschen, Olivenöl, Leinsamen, Leinöl (darin sind entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren enthalten; Leinöl sollte nicht erhitzt werden!), Grüner Tee, Kakao (z.B. in hochprozentiger Zartbitterschokolade, also ab 70% Kakaoanteil), Kiwi, schwarze Johannisbeeren, Blaubeeren, Zitrusfrüchte, Äpfel, Granatäpfel, Tomaten, Papaya, Grapefruit, Möhren, Feldsalat, Wassermelonen, Chia-Öl, Hanföl, Walnussöl, Rapsöl, Weizenkeimöl, Walnüsse, Mandeln, Sesam, Vollkorngetreideprodukte (insb. Gerste, Hafer, Dinkel, Roggen oder Scheingetreide wie Buchweizen, Amarant, Quinoa (glutenfrei); Haferflocken, Müsli ohne Zucker) sowie dunkelgrünes Blattgemüse.
Vermeiden sollten Sie Lebensmittel, welche die Bildung von unerwünschten oder schädlichen Bakterien im Darm begünstigen und somit Entzündungen fördern.
Zu diesen Lebensmitteln gehören z.B. Zucker, Süßigkeiten, süße Backwaren, süße Milchprodukte, Mayonnaise, Creme fraiche, Pudding, Milchreis, Fruchtjoghurt, Fruchtquark, Kakaozubereitungen, Fruchtbuttermilch, Weißmehl (Weißbrot, Toastbrot, Zwieback, Croissants, Hartweizennudeln, Milchbrötchen), Weizenbrot, geschälter Reis, Pommes, Kroketten, Fertiggerichte (enthalten meist Zucker), Light-Produkte, Fast Food, Süßstoff, Salzgebäck, Chips, Wurstwaren, fettes Fleisch, Fleischkäse/Leberkäse; generell Schweinefleisch, paniertes Fleisch, Fruchtsaft, Softdrinks, Milchmixgetränke, Alkohol, Kuhmilch (bei Blasenentzündung möglichst mindestens 4-6 Wochen darauf verzichten). (6)
Um Ihre Darmgesundheit und somit Ihr Immunsystem zu stärken, sollten Sie sich vorwiegend vegan ernähren und primär unverarbeitete oder natürliche Lebensmittel essen (siehe Lebensmittel mit entzündungshemmender Wirkung) sowie regelmäßig Sport treiben und sich täglich im Freien aufhalten (Vitamin D tanken)!
Stress und Traumata begünstigen Entzündungen
Die psychische Verfassung hat eine Auswirkung auf die körperliche Gesundheit. Durch Stress und Traumata steigen die Entzündungswerte. Die Folge sind Infektionen ohne ursächliche Beteiligung von Bakterien, Viren oder anderen Erregern.
Infolge von Stress bildet der Körper vermehrt weiße Blutkörperchen und Entzündungsstoffe. Dadurch kommt es zu chronischen Entzündungen im Körper. (16)
Durch die Verminderung von Stress und psychischen Belastungen sinkt also das Entzündungsrisiko und somit auch das Risiko für Blasenentzündungen.
Menschen, die als Kind, bzw. vor dem 18. Lebensjahr, misshandelt wurden, also sexueller, körperlicher oder seelischer Gewalt ausgesetzt waren oder vernachlässigt wurden, weisen als Erwachsene höhere Entzündungswerte und somit eine erhöhte Anfälligkeit für seelische und körperliche Erkrankungen auf. (17) Durch Traumata steigt das Risiko, Entzündungen zu entwickeln. Hier können Psycho – und/oder Traumatherapie hilfreich sein, die Entzündungsneigung zu reduzieren.
Homöopathie bei akuten Blasenentzündungen
Akute Blasenentzündungen können mit Homöopathie behandelt werden. Dabei ist es wichtig, dass die Betroffenen ihre Symptome und Empfindungen genau beschreiben, aufgrund derer das passende oder heilende homöopathische Mittel gefunden werden kann. Es gibt sehr viele homöopathische Medikamente, die man bei der Behandlung von Blasenentzündungen einsetzen kann.
Nachfolgend beschreibe ich 5 davon: (18, 19)
Cantharis
Cantharis ist eines der Hauptmittel bei Blasenentzündungen. Die Betroffenen klagen über unerträgliches Brennen und ständigen, schmerzenden Harndrang sowie über starke, brennende, schneidende Schmerzen vor, während und nach dem Urinieren. Wegen der Schmerzen haben sie Furcht vor dem Wasserlassen. Der Harn geht nur tropfenweise unter qualvollsten Schmerzen ab. Typisch ist, dass während der Blasenentzündung ein starkes sexuelles Verlangen besteht. Jeder abgehende Urintropfen brennt wie ätzende Säure oder schmerzt wie von einer Rasierklinge (schneidende Schmerzen). Der Urin ist dunkel und blutig. Die Schmerzen werden durch warme oder heiße Anwendungen erleichtert. Cantharis ist ein sehr wichtiges Mittel bei der sogenannten „Honeymoon-Cystitis“ (siehe Kapitel „Welche Faktoren begünstigen eine Blasenentzündung?“).
Aconitum
Die Blasenentzündung beginnt plötzlich mit Fieber ohne Schweiß. Auslöser sind meist kalter, trockener Wind oder Sitzen auf einer kalten Fläche. Auch ein Schreck oder Schock kann ursächlich sein. Die Schmerzen sind heftig, die Schmerzqualität ist reißend, schneidend und brennend. Es besteht ein ständiger Harndrang, der Urinabgang ist schmerzhaft, der Urin wird heiß oder brennend empfunden. Der Urin geht tropfenweise ab. Die Betroffenen sind ängstlich und unruhig.

Aconitum napellus
Belladonna
Rascher Beginn der Blasenentzündung mit fiebriger Hitze und Schweiß. Folge von Unterkühlung nach starker Erhitzung, z.B. beim Baden. Die Blasengegend ist sehr druck – und berührungsempfindlich und schmerzhaft bei Erschütterung des Körpers (Gehen). Typisch sind die heftigen, brennenden Schmerzen in der Blase, verbunden mit einem anhaltend, starken, schmerzhaften Harndrang. Den Betroffenen ist heiß und kalt zugleich, häufig ist der Kopf rot mit pulsierendem Gefühl der Halsschlagadern. Typisch ist, dass gleichzeitig die Arme und Beine kalt sind.

Belladonna
Dulcamara
Blasenentzündung infolge von feuchtkaltem Wetter, Sitzen auf feucht-kaltem Boden, Durchnässung oder Unterkühlung. Typisch für dieses Mittel: Blasenentzündung nach Abkühlung durch Tragen von nassen Badesachen. Es besteht ein ständiger, schmerzhafter Harndrang. Der Urin ist schleimig und trübe. Die Beschwerden bessern sich deutlich durch Wärme.
Nux vomica
Blasenentzündungen mit starkem Harndrang und krampfartigen Schmerzen. Typisch ist der Abgang von Stuhl beim Urinieren, bzw. der erfolglose Stuhldrang während dem Urinieren. Ursachen für die Blasenentzündung sind Kälte, Luftzug und vor allem Abkühlung der Füße. Brennende Schmerzen während dem Wasserlassen. Charakteristisch bei diesem Mittel ist die Unfähigkeit zu urinieren trotz Harndrang. Der Harnverhalt wird durch heiße Bäder gebessert. Alle Beschwerden bessern sich durch Wärme und Ruhe und verschlimmern sich durch Kälte. Die Betroffenen sind sehr gereizt und gestresst.

Nux vomica
Pulsatilla
Blasenentzündung durch Durchnässung, durch kalte oder nasse Füße. Urinabgang beim Lachen, Niesen oder Husten. Auch nach dem Wasserlassen besteht noch Harndrang. Es besteht starker Harndrang mit Schmerzen, die sie zum Weinen bringen. Blasenentzündungen durch hormonelle Schwankungen, also während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Verbesserung der Beschwerden durch frische Luft und Aufenthalt im Freien. Die Betroffenen weinen leicht, fühlen sich alleine und verlassen. Zuspruch und Trost tun ihnen sehr gut. Pulsatilla ist sehr wichtig bei der Behandlung von hormonellen Beschwerden.

Wann sollte der Arzt aufgesucht werden?
Bei einer akuten Blasenentzündung sollten Sie den Arzt aufsuchen, wenn die Symptome länger als 3 Tage bestehen oder schlimmer werden. Wenn Sie Fieber und/oder ein starkes Krankheitsgefühl, Blut im Urin, Schmerzen in den Flanken haben. (5)
Homöopathie bei chronischen Blasenentzündungen
Bei chronischen oder rezidivierenden Blasenentzündungen kann Homöopathie unterstützend und hilfreich sein. Homöopathie stärkt oder stabilisiert das Immunsystem und hat einen positiven und ausgleichenden Einfluss auf das Hormon – und Nervensystem. Die Anfälligkeit für Blasenentzündungen kann reduziert werden. Voraussetzung ist, dass eine ausführliche Anamnese gemacht wird, in welcher die möglichen Ursachen und Auslöser eruiert werden. Wann, wodurch und in welchem Alter ging es mit den Blasenentzündungen los? Welche akuten und chronischen Vorerkrankungen sind bei den Betroffenen selbst und in der Familie vorhanden? Traten in der Vergangenheit Infektionen mit E.coli-Bakterien, Pilzen, Chlamydien, Gonokokken, Trichomonaden, etc., auf? Traten die Blasenentzündungen zum ersten Mal nach schweren Infektionskrankheiten wie z.B. Scharlach, Influenza (echte Grippe), Covid, Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber), Hepatitis, etc. auf? Welche Auslöser gibt es für die Blasenentzündungen (Kälte, Nässe, Abkühlung nach Schwitzen, Geschlechtsverkehr, etc.)? Verzweiflung, Liebeskummer, Enttäuschungen, anhaltende Demütigungen, Niederlagen, geschäftliche Misserfolge, Schocks, Traumata (Gewalt, sexueller Missbrauch, etc.), Trauer und Kummer durch z.B. Verlust von geliebten Menschen oder Tieren können ursächlich sein.
Traten die Blasenentzündungen erst seit dem Klimakterium, nach bestimmten Impfungen oder wiederholten Antibiotika-Gaben auf? Wenn auch Antibiotika bei akuten Blasenentzündungen schnell hilfreich sind, so können wiederholte Antibiotika-Gaben das Immunsystem ungünstig beeinflussen indem sie das Darmmikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen. (20). Dies wiederum führt zu einer erhöhten Infektanfälligkeit.
Bei der homöopathischen Behandlung von chronischen Blasenentzündungen ist Geduld angesagt, denn es müssen möglicherweise mehrere homöopathische Mittel nacheinander eingesetzt werden. Hilfreich ist zusätzlich, wenn sich die Betroffenen vorwiegend wie im Kapitel „Entzündungshemmende Lebensmittel“ beschrieben ernähren.
Wichtige homöopathische Mittel bei der Behandlung von chronischen Blasenentzündungen sind unter anderem Thuja, Medorrhinum, Tuberkulinum Koch, Tuberkulinum Bovinum, Penicillinum, Sulfur, Mercurius corrosivus, Lycopodium, Nitricum acidum, Carcinosinum, Staphisagria, Sepia, Natrium muriaticum und Conium.
Bei chronischen Cystitiden rate ich von der Eigenmedikation mit homöopathischen Mitteln unbedingt ab!
Quellenangaben:
- „Natürliche Hormontherapie“, Dr. med. Annelie Scheuernstuhl, HP Anne Hild, AURUM in J. Kamphausen
- https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/medizin-stress-fuehrt-zu-entzuendungen-im-koerper-ganz-ohne-keime-1.3330430
- „Lehrbuch der Homöopathie, Band II“, Gerhard Köhler, Hippokrates Verlag Stuttgart
- „Das große Homöopathie Handbuch“, Dr. med. Markus Wiesenauer und Dr. med. Suzann Kirschner-Brouns, GU
