Unterdrückung während einer homöopathischen Behandlung, Berlin

Wenn eine homöopathische Behandlung gut läuft, d.h. wenn die zu behandelnden Beschwerden abnehmen und sich das Allgemeinbefinden bessert, weiß man, dass man auf dem richtigen Weg ist: Der Heilungsprozess hat begonnen und das gewählte homöopathische Mittel  war das richtige. Doch was könnte die Ursache sein, wenn eine erfolgreiche homöopathische Behandlung plötzlich stockt, wenn die Beschwerden wieder schlimmer werden und wenn sich der Patient insgesamt nicht mehr gut fühlt? Weshalb wirkt nun das Mittel nicht mehr, auch nicht in einer höheren Potenz? Sollte nun an einen Mittelwechsel gedacht werden oder könnte eine Unterdrückung für den unerfreulichen Verlauf ursächlich sein?

Zwei Beispiele sollen veranschaulichen, was passieren kann, wenn während einer gut laufenden homöopathischen Behandlung unterdrückende Maßnahmen von Seiten des Patienten vorgenommen werden. Das erste Beispiel stammt aus der Praxis von Dr. Dorothy Shepherd (aus dem Buch „MAGIC OF THE MINIMUM DOSE“), einer englischen Homöopathin, das zweite aus meiner eigenen Praxis.

 

Beginnen möchte ich jedoch mit einem Fallbeispiel von Dr. Dorothy Shepherd (ebenfalls aus dem Buch „MAGIC OF THE MINIMUM DOSE“), welches veranschaulichen soll, wie eine gut laufende homöopathische Behandlung aussieht:

Eine 34-jährige Frau mit chronischer Bronchitis kam 1933 in die Praxis von Dr. Dorothy Shepherd. Sie hatte seit ihrem 3. Lebensjahr chronischen Husten. Dieser begann, nachdem sie die Masern hatte. Es bestand der Verdacht, dass sie in der Vergangenheit an Tuberkulose erkrankt war. Des Weiteren litt sie an unregelmäßige Menstruationen. Sie hatte überhaupt Unterleibsprobleme, wie Senkungsbeschwerden der Gebärmutter und eine Entzündung des Gebärmutterhalses. Sie kam, um sich ein neues Pessar einsetzen zu lassen. Die Frau war sehr dünn, die Haut sah grau aus, ihre Kleidung war schmutzig und die Frau machte insgesamt einen sehr ungepflegten Eindruck. Aufgrund der beschriebenen  Symptome verabreichte Dr. Dorothy Shepherd das homöopathische Mittel Sulfur. Nach 5 Monaten berichtete die Patientin, dass der Husten besser geworden war. Sieben Monate später, ein Jahr nach Behandlungsbeginn, hatte sie wieder einen leichten Husten, unregelmäßige Menstruationen und Scheitelkopfschmerzen. Wegen des Tuberkuloseverdachts bekam sie das homöopathische Medikament Tuberkulinum (die Tuberkulose-Nosode). Weitere sieben Monate später berichtete die Patientin, dass es ihr gut gegangen sei. Der Husten und die Scheitelkopfschmerzen waren verschwunden. Nach weiteren fünf Monaten hatte sie wieder Scheitelkopfschmerzen, die Augen waren wässrig, nachts war ihr schwindlig. Sie litt außerdem an ausbleibender Menstruation und Schweißausbrüchen mit Anfällen von Ohnmacht. Sie bekam wieder Sulfur und nach einigen Wochen erschien ihre Menstruation wieder. Nach weiteren acht Monaten erschien sie wieder und berichtete, dass sie nicht mehr an Kopfschmerzen litt und dass auch der Husten weg war. Die Menstruationen waren regelmäßig. Sie bekam wieder Sulfur. Ein halbes Jahr später war der Husten und die Senkungsbeschwerden weiterhin verschwunden. Nun litt sie seit mehreren Wochen an krampfartigen Schmerzen im rechten Bein. Wieder gab ihr Dr. Dorothy Shepherd Sulfur. Nach weiteren 4 Monaten ging es ihr insgesamt gut. Weitere neun Monate später (mittlerweile war sie 39 Jahre alt) war die Menstruation spärlich und sie hatte Schmerzen im unteren Rücken sowie Schweißausbrüche. Wieder bekam sie Sulfur. Zwei Monate später ging es ihr sehr gut und sah auch sehr gut aus. Seit Jahren hatte sie keine Bronchitis mehr gehabt. Das Ergebnis der Behandlung war sehr zufriedenstellend, ein jahrelang bestehendes chronisches Leiden wurde ohne Nebenwirkungen geheilt.

Hier nun ein Fall (von Dorothy Shepherd), welcher veranschaulicht, was passieren kann, wenn unterdrückende Maßnahmen während der homöopathischen Behandlung vorgenommen werden:

Eine 34-jährige Frau litt an einem trockenen Reizhusten. Sie war sehr dünn und sah krank aus. Sie litt seit ca. 3 Jahren an Bronchiektasen (als Bronchiektasen bezeichnet man in der Medizin irreversible sackförmige oder zylindrische Ausweitungen der mittelgroßen Atemwege (Bronchien). Dieser Zustand wird auch Bronchiektasie genannt. Begleitet werden diese Ausweitungen von einer chronischen nekrös eiternden bakteriellen Infektion der Bronchialwand). Davor hatte sie eine Lungenentzündung. Jeden Morgen hustete sie sehr große Mengen übelriechenden Schleims ab. Nachts konnte sie wegen ihres Hustens kaum schlafen. Zwischen 3.00 und 5.00 Uhr war der Husten besonders schlimm und auch tagsüber hustete sie permanent. Sie hatte mittlerweile sehr viel Gewicht verloren. Dr. Dorothy Shepherd untersuchte die Patientin und stellte eine Belastung der Basis des rechten Lungenflügels fest.  Aufgrund der beschriebenen Symptome und wegen starker Blähungen nach dem Essen bekam die Patientin Lycopodium.  Bereits in der kommenden Woche hustete sie viel weniger. Die ersten beiden Tage nach der Einnahme von Lycopodium hatte sie morgens 3 große Tassen Schleim abgehustet. Seither konnte sie auch besser schlafen. Daraufhin bekam sie Lycopodium in aufsteigenden Potenzen. Der Patientin ging es immer besser und nach 3 Monaten hatte sie deutlich zugenommen. Bei der Untersuchung hörte sich die rechte Lunge viel freier an und morgens hatte sie kaum noch Auswurf. Dr. Shepherd hoffte nun auf vollständige Heilung. Dann wurde die Patientin schwanger und sie bekam einen seltsamen kupferfarbenen Ausschlag am ganzen Körper, der kaum juckte.  Dr. Shepherd war über diesen Ausschlag sehr erfreut, denn gemäß den Regeln in der Homöopathie ist es ein gutes Zeichen, wenn während einer homöopathischen Behandlung ein Hautausschlag auftritt. Dieser bedeutet nämlich, dass der Organismus über die Haut entgiftet, dass ein Ausscheidungsprozess stattfindet. Der Körper entlastet sich und der Patient ist auf dem Weg, gesund zu werden. In so einem Fall ist es das Beste, den Hautausschlag einfach zu lassen, also nicht zu behandeln, und keine äußerlichen Anwendungen vorzunehmen. Im vorliegenden Fall ging die Patientin leider ohne Absprache mit Dr. Dorothy Shepherd zu anderen Ärzten, die ihr wegen ihres Ausschlags große Angst machten. Sie empfahlen der Patientin, Salben aus Kohlenteer aufzutragen, um den Ausschlag nach innen zu treiben.  6 Monate lang trug die Patientin fleißig die besagten Salben auf, welche schließlich ihre Zweck erfüllten: Der Ausschlag verschwand. Natürlich trat der Husten wieder auf sowie das morgendliche Abhusten von übelriechendem Schleim. Der Zustand war wieder so wie vor der homöopathischen Behandlung. Dr. Shepherd versuchte die Patientin zu überzeugen, die Salben wegzulassen und die homöopathische Behandlung wieder aufzunehmen. Jedoch ohne Erfolg. Die Patientin machte, was ihr die anderen Ärzte rieten und benutzte die Salben weiterhin.

Als die Patientin begann, die Salben aufzutragen, waren der Husten und der morgendliche Auswurf verschwunden. Sie konnte sehr gut schlafen und der Appetit war gut. Die Bronchiektasen hätten gemäß der Einschätzung von Dr. Shepherd nach weiteren 3 Monaten vollständig ausheilen können, sie waren bereits ausgetrocknet. Es war schrecklich, mit ansehen zu müssen, wie diese Patientin wieder kränker wurde und schließlich ihre alten Symptome wieder auftraten.  Dr. Shepherd sah die Patientin 2 Jahre lang hin und wieder, da sie sich im selben Krankenhaus behandeln ließ. Sie litt die ganze Zeit über an einem trockenen, metallischen Husten, der nicht besser wurde.

Erläuternd schreibt Dr. Shepherd, dass alte chronische Leiden mit Homöopathie geheilt werden können. In der Homöopathie verläuft die Heilung von innen nach außen und es können vorübergehende, kosmetische Probleme auftreten. Diese sollten jedoch auf keinen Fall unterdrückt, sondern nur mit dem richtigen, den Symptomen ähnlichen homöopathischen Mittel, behandelt werden.  Die Haut ist ein sehr wichtiges Ausscheidungsorgan und wir verlieren über sie sehr viele Giftstoffe (in der Naturheilkunde wird die Haut deswegen auch als „dritte Niere“ bezeichnet). Wir atmen auch über die Haut und wenn wir unsere Poren mit Salben verkleistern, schaden wir unseren inneren Organen Herz, Leber und Lungen und schließlich entstehen chronische Krankheiten dieser Organe.

Nun möchte ich ein Beispiel aus meiner eigenen Praxis aufführen, welcher die homöopathische Theorie bestätigt (die genaue Wiedergabe der Symptome des Falls kann aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht erfolgen):

Ein Patient kommt mit einer seit Jahren bestehenden, schmerzhaften Mundhöhlenerkrankung in die Praxis. Er ist verzweifelt und insgesamt geschwächt. Schlaf und Verdauung sind schlecht. Er lebt sehr zurückgezogen, da für ihn soziale Kontakte aufgrund seiner Erkrankung sehr anstrengend sind. Insgesamt macht er einen sehr gereizten Eindruck. Schließlich finde ich das passende homöopathische Mittel: Acidum nitricum. Der Patient bekommt es in aufsteigenden C-Potenzen, beginnend mit der C 6. Ihm geht es besser und besser: Die Schleimhaut in der Mundhöhle regeneriert sich und die Schmerzen nehmen ab. Das Allgemeinbefinden, der Schlaf und die Verdauung werden besser. Er hat mehr Energie und nimmt wieder mehr am gesellschaftlichen Leben teil.  Insgesamt ist der Verlauf sehr zufriedenstellend.

Etwa ein Jahr nach Behandlungsbeginn mit Acidum nitricum treten die alten Symptome wie gehabt wieder auf. Die Stimmung ist schlecht. Er hat kaum noch Energie und lebt wieder sehr zurückgezogen. Ich gebe Acidum nitricum in einer höheren Potenz, doch ohne Erfolg. Ich überlege mir, ob ich das Mittel wechseln soll. Doch keines seiner Symptome weist auf ein anderes Mittel hin. Die Symptome sind wieder genau dieselben wie vor der ersten Einnahme von Acidum nitricum.

Zum Glück gibt der Patient nicht auf und ich bestelle ihn in meine Praxis. Ich frage ihn, ob seit dem Wiederauftreten der gehabten Symptome sonst etwas Auffälliges war, was er bislang noch nicht erwähnt hatte. Nun fällt ihm ein, dass sein Fußpilz wieder aufgetreten sei. Dieser habe so gejuckt, dass er Canesten-Salbe aufgetragen habe. Seit er die Canesten-Salbe regelmäßig benutze, gehe es ihm wieder schlechter. Der Fußpilz gehe durch die Canesten-Salbe nicht ganz weg und deswegen trage er diese täglich auf. Ich erkläre ihm, dass sein Körper über die Haut entgiftet und dass das Wiederauftreten des Fußpilzeses ein gutes Zeichen ist, dass sich der Körper entlastet. Ich bitte ihn, die Salbe wegzulassen und Acidum nitricum in einer LM-Potenz einzunehmen.  Nach ca. 4 Wochen berichtet er, dass es ihm insgesamt wieder besser gehe (Mundschleimhaut, Schlaf, Verdauung, Allgemeinbefinden, Energie, Stimmung). Auch der Fußpilz sei mittlerweile kaum noch vorhanden. 

 

In diesem Fall hatte die Canesten-Salbe einen unterdrückenden Effekt, das homöopathische Medikament konnte nicht mehr wirken, der Behandlungsverlauf war unbefriedigend. Nur durch das Weglassen der Salbe konnte durch das angezeigte homöopathische Mittel der Heilungsprozess wieder in Gang gesetzt werden. Die Canesten-Salbe war also ein so genanntes „Heilungshindernis“, das ursprüngliche homöopathische Medikament war noch angezeigt und musste nicht gewechselt werden.

 

Bitte beachten Sie, dass Beratungen und Behandlungen kostenpflichtig sind (siehe "Behandlungskosten"). Arzneimittelverschreibungen können nur auf der Grundlage von Behandlungen bzw. Anamnesegesprächen erfolgen.

Monika Müller-Amenitsch, Heilpraktikerin, M.Sc., Berlin-Tempelhof, www.homoeopathie-bowen-berlin.com

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